Der 12. April ist für Aplerbeck ein ganz besonderer Tag. An diesem Tag endete für unseren Stadtteil der 2. Weltkrieg. Um diesen Tag würdig zu begehen, fanden in den vergangenen Jahren verschiedene Veranstaltungen und Zusammenkünfte statt.

In diesem Jahr ist alles anders. Die Corona-Pandemie gebietet, Zusammenkünfte zu vermeiden. Um dennoch an diesen Tag und seine Ereignisse zu erinnern und die mutigen Menschen des 12. April 1945 zu würdigen, soll der nachfolgende Text die Geschehnisse dieses Tages in Erinnerung rufen.

 

Wie in Aplerbeck der 12. April 1945 der Tag des Friedens wurde

(Text von Siegfried Liesenberg)

 

1.   Es gibt Orte, die plötzlich vor einer Situation stehen, die ausweglos erscheint, wo es um Sein oder Nichtsein geht.

Am 12. April 1945 erlebte Aplerbeck eine solche Situation.

Von zwei Seiten rückten amerikanische Bodentruppen mit Panzerunterstützung gleichzeitig auf Aplerbeck zu, von Brackel aus an der Heilanstalt vorbei bis zum Haus Aplerbecker Straße 463 und von Holzwickede aus auf dem Höhenweg an Sölde vorbei bis zur Sölder Windmühle.

Die Panzer beschossen von da aus den Rand des Aplerbecker Waldes und die Ackerfluren am Sölder Kirchweg, wo 7 Menschen ums Leben kamen.

Um die Mittagszeit standen viele Aplerbecker Schlange, um Seifenpulver zu kaufen, als um 13 Uhr Tiefflieger mit Bordkanonen angriffen. Etwa 30 Menschen fanden hier den Tod. Die Lage war dramatisch.

Die Gefahr, dass Aplerbeck in Schutt undAsche gelegt würde, war zum Greifen nahe, und Angst und Sorge in der Bevölkerung wuchsen immer mehr an, zumal eine kleine SS-Einheit an der Köln-Berliner-Straße den Kampf mit der amerikanischen Übermacht aufnehmen wollte. Wäre hier nur ein einziger Schuss gefallen, hätte das Drama seinen Lauf genommen.

2.   Es gibt Menschen, die plötzlich vor einer Entscheidung stehen, der sie nicht ausweichen können.

Vor einer solchen Entscheidung stand am 12. April 1945

Friedrich Möllenhoff, der Leiter der Verwaltungsstelle Aplerbeck.

Etliche Bürger, von Sorge umgetrieben, drangen auf ihn ein und forderten ihn auf, Aplerbeck zu retten. Dazu gab es nur einen Weg: die weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation.

16.15 Uhr entschloss sich Möllenhoff zu handeln und am Amtshaus die weiße Fahne aufzuziehen.

Das aber konnten die Amerikaner nicht sehen.

Daher stürzten Anton Kalt und Dietrich Hans zur großen Kirche an der Märtmannstraße, um dafür zu sorgen, dass am höchsten Punkt Aplerbecks, dem 67 m hohen Kirchturm, die weiße Fahne, weithin sichtbar, gezeigt wurde. Sie veranlassten den Küster Walter Milo, ein Betttuch am Kirchturm zu befestigen.

Was geschah nun?

Diakon Wilhelm Koch berichtet darüber Folgendes:

“ Kaum war das geschehen, als auch schon der Offizier der SS-Einheit im Amtshaus erschien und mit vorgehaltener Pistole Möllenhoff fragte, auf wessen Befehl er die weiße Fahne gehisst habe. Möllenhoff antwortete klar und fest: “Auf meine eigene Verantwortung!”

Darauf forderte der Offizier die sofortige Einholung der Fahne, sonst werde er von der Schusswaffe Gebrauch machen. Möllenhoff blieb standhaft. Durch das Hinzukommen einiger städtischer Beamter und durch das “handfeste” Zugreifen des Aplerbecker Polizeikommissars Schöttler wurde Möllenhoff vor dem Erschießen gerettet.”

Die SS-Einheit zog danach in Richtung Westhofen ab.

3.   Kaum war diese entscheidende Situation überstanden, da machte sich Anton Kalt zum Befehlsstand der Amerikaner nach Sölde auf. Er versicherte dem Kommandanten Oberst Kelly im Auftrag der Verwaltung, dass in Aplerbeck kein Widerstand geleistet werde.

Damit auch nicht ein einziges Anzeichen von Widerstand den Amerikanern Grund zur Beschießung geben würde, mussten die Sprengsätze, die von den Nazis an den Brücken im Raum Aplerbeck angebracht worden waren, beseitigt werden. Am 11. April bereits und am 12. April machten sich also Anton Kalt, Dietrich Hans und Erich Dickhut daran, die Sprengladungen an den Eisenbahnbrücken an der Wittbräucker Straße, der Schweizer Allee, der Erlenbachstraße und der Sulpke zu entfernen. An der “Schwarzen Brücke” an der Schwerter Straße und in Sölde an der Sölder Straße beseitigten Friedrich Liesenberg und Karl Befeld die Sprengsätze, alle erfahrenen Bergleute, die mit Sprengstoff umgehen konnten

4.  So wurde der 12. April 1945 für Aplerbeck der Tag der Rettung und der Befreiung vom Nazi-Regime, nicht ohne Opfer an Menschenleben, aber ohne die drohende Zerstörung Aplerbecks. Zu verdanken ist das dem mutigen Handeln einiger Männer, die sich nicht vor einer klaren Entscheidung gedrückt haben.

 

So ist der 12. April 1945 für Aplerbeck der Tag des Friedens  geworden.

Seit 2012 wird der 12. April als Tag des Friedens in Aplerbeck öffentlich gefeiert.